Generalversammlung in Sélestat - Schlettstàdt (13-04- 2002)
Ansprache des Präsidenten Henri SCHERB,
Teilweise vom "Elsässischen" ins Hochdeutsche umgeschrieben
Unser Schlagwort heißt:
" Elsassische rette? Elsassisch rede!"
Überall im Elsass, die Leute mit Elsässisch ansprechen!
Schlettstàdt 13. Awrel 2002
Liawi Frend, Sehr geehrta Herr Bernard DECK,
(Elsasserditsch)
Get's ebs Scheeneres ze fiira às a nej "Friehjohr fer unseri Sproch"?
Unseri Fraid esch noch greser, will d'r Anreger vu dara Initiative hetta unsera Ehrepräsident esch, unsera Frend Bernard DECK. Er esch viela Elsasser bekànnt àls Dirakter vum "Volksfreund' "l'Ami du Peuple" un vu "Objectif Alsace". Dia zwei wechtiga Zittunga wederspiega net nur die Ereignissa un's Lawa em Land. nai sie gan oi a Inblick en die Kültür, en d'Seel vu àlla Elsasser en ehra Verschiedaheit. Sich abonniara, esch a echti eisassischi Press unterstetza.
Liawi Frend vu Heimetsproch un Tradition, hetta wella mer uns einfàch fraja un unseri Regionàlkültür fiira.
Ewer 300 (dreihundert) Verànstàltunga sen gebüacht fer dia Friehjohrswuch ! Hunderti, wenn net toisigi Elsasser màcha met vu St Louis bis Hawenau !
Bernard DECK wurd uns noch mehr do drewer berechta.
Unseri Vereinigung màcht kreftig met, àlli Komiteemetglieder, d'gànz Mannschaft esch àn Deck - mer kenne net 's Ducke -àlli dian drucke - der Kàrre üs'm Drack - dàss unseri Doppelkültür un Sproch - emmer düat lawa hoch !
Wàs ich mecht unterstricha, esch, dàss Heimetsproch un Tradition en ewer 20 Ortschàfta als Triebfader gewerkt het. Met em Insàtz vu Norbert REPPEL, met da Metgleder vum Komitee, met der Unterstetzung vu viela Metgleder wia Alphonse JENNY, àlt Maire vu Kintzheim un Autor vun r'a Grammaire Alsacienne (sehr wechtig !).
Unsera Vizepräsident Remy MORGENTHALER het sogàr a Gedechtheft fer's Friehjohr g'schrewa : ewerràschend, tiefsinnig, fresch !
Ja sogàr en Bàde - drewa - , han unseri Frend vum "Alemannische Freundeskreis vu Hiwe un Driwe" met Werner ERB a elsassisch - àlemànnische Owe organisiert. Unseri Vorstàndmetgliederin Huguette DURR het so scheen g'sunga met Rene EGLES, wo àlli kenna. un met der Dechterin Heidi KNOBLICH vum Radio, un das alles en unsera bumbiga alemannisch Sproch ! A bumba Erfolg !
(Ditsch)
Dies beweist einmal mehr, dass wir mit unserer Regionalsprache die Grenzen sprengen, sie ist ein Passierschein nicht nur im Rheintal, sondern in allen deutschsprechenden Ländern bis Polen und Ungarn.
Diesen Schatz dürfen wir nicht vergammeln, sonst geben wir uns selbst auf. Jetzt, da wir keine politischen Grenzen mehr haben in Europa, dürfen keine Sprachgrenzen aufkommen !
Natürlich laust uns der Pariser Affe noch nicht mit goldenen Pfoten ! Wir müssen uns selbst helfen ! Unsere Aktionen und das "Friehjohr fer unseri Sprach" sind da dafür. Ein jeder Elsässer sollte sich angesprochen fühlen, ein jeder ist mitverantwortlich an unserem Erfolg, an unserem Weiterleben, an der Zukunft unserer Kultur. Unser Schlagwort heisst:
"'s Elsassische rette ? Elsassisch rede !"
Überall im Elsass, die Leute mit Elsässich ansprechen !
Ganz kurz muss ich doch einige wunde Stellen erwähnen :
• Wir Elsässer haben das Gefühl, dass der Staat und seine verschiedenen Verwaltungen samt den Beamten noch weniger vollbringen als in anderen Regionen ! Ich möchte nicht ungerecht sein : am TGV bezahlen und am Steuern zahlen sind wir die ersten, da läuft's !
• In der Volksschule, so glaubt der Universitätsrektor, werden, scheinbar, überall drei Stunden Deutsch unterrichtet: "partout trois heures d'enseignement extensif de l'allemand". Achtung, das heisst : da wo der Lehrer einverstanden ist ! Fragen Sie doch Ihre Kinder, wie das geht! So erfahren Sie, liebe Freunde, wie das Wort partout - überall - bei uns bis über die Hälfte einschrumpfen kann !
• Die Region Elsass unterstützt, scheinbar, mit einer Million Franken (152 440 €) Fernsehsendungen auf dem Kabel fürs Elsass. Diese Elsässersendungen sind fast alle auf Französisch und werden von "Alsatic" produziert. Um eine Elsässertheatervorstellung aufzunehmen, verlangt diese Firma bis zu zwangzigtausend Franken (3 572 €) von den Schauspielern ! Mit solchen Bedingungen versucht man unsere Kultur zu ersticken, von Unterstützung ist hier keine Rede ! Und solchen Unfug unterstützen wir mit unseren Steuergeldern ! Wozu dienen da unsere Gewählten ?
Das alles mahnt mich an Nachkriegszeiten, als die Herren Inspektoren des Unterrichtsministeriums proklamierten :
"Macht ihnen deutsch auf französisch !".
• Kommen wir wieder zum "Friehjohr fer unseri Sproch". Es werden noch in diesem Jahr Schwalben auf FR3 Elsass-Fernsehen fliegen : es werden uns, scheinbar, sechs oder acht Elsässertheatersendungen "bestrahlen" hoffentlich ! Zu unseren sieben Minuten fünf Mal pro Woche -Almosenelsässisch-teleregional - wird das ein "Fressen" sein ! Die Pariser Doktoren werden sicher fürchten, dass es unsere Mägen verdirbt ! Die einzige Lösung wäre ein richtiges regionales Fernsehen auf Elsässerdeutsch.
In Korsika und in der Bretagne haben es die Gewählten verstanden ! Sonst versiegt unsere Sprache im Sand ohne moderne Mittel und Werkzeuge. Unsere Kinder verdursten auf dem eigenen Bodenwasser! • Noch eine Frühjahrsschwalbe : der Haut Comite kommt aus der Sturmzone heraus. Er heisst jetzt" Comite Federaldes Associations!' mit Richard WEISS als Präsident. Natürlich sind wir auch dabei. Wir hoffen, dass dieses Komitee unabhängig und solidarisch mit den Gebietskörperschaften im Vertrauen für unsere Kultur weiterarbeitet.
• Der offene Brief an die Gewählten, in dem wir verlangen, dass der französische Staat sich bei den Elsässern und Mosel-Lothringern entschuldigt, für das Unrecht, das er uns verursacht hat Anno 1871 und 1940, ist an die Präsidentschaftskandidaten gegangen. Vor einem Jahr haben Sie, liebe Freunde, dieses Verfahren einstimmig unterstützt. Wir lassen nicht locker, es kommen noch die Abgeordnetenwahlen ! Nur wenn wir Elsässer und Lothringer mit der Vergangenheit, mit unserer Geschichte versöhnt sind, können wir mit Vertrauen in die Zukunft blicken !
• Eine letzte Frühjahrsschwalbe : der neue O.L.C.A. (ex-ORBl):
Office pour la Langue et la Culture d'Alsace mit dem Präsidenten Justin VOGEL, hat sich auch kräftig eingesetzt für das "Friejohr fer unseri Sprach" mit Unterstützung von allen Region - und Generalratsgewählten. (Elsasserditsch)
'S Wort "Schnetzel" kummt vu Päpierüsschnett, vu Beider üs älta Kalander, usw...
'S Wort "Bank" kummt vu da Bänkelsänger - chanteurs ambulants - wu vun Dorf ze Dorf gange sen un han Gschechta gsunga met Beider uf Täfla geklabt.
Die Illustrierunga sen vum Komiteemetglied Pierre BERTAUT un vum Frederic KUHLMANN, die Computertechnik vu unserem Webmeischter Walter URBAN un's Konzept vu Eirem Diener Henri SCHERB !
Pässa uff, so unschuldig esch's net! Jetzt geht's los !
Henri SCHERB
